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Weideprojekt Bachtäler im Kaufunger Wald bei Kleinalmerode - Beweidung mit Rotem Höhenvieh

Weideprojekt Bachtäler im Kaufunger Wald bei Kleinalmerode - Beweidung mit Rotem Höhenvieh
Region/Lage Werra-Meißner-Kreis, Bachtäler am Kaufunger Wald; Stadt Witzenhausen, Gemarkung Kleinalmerode
Geo-Koordinaten 9° 47' 35'' O , 51° 19' 15'' N
Lebensraumtyp Feuchtwiesen
Flächengröße 28 ha Grünland (davon ca. 14 ha im Vertragsnaturschutz- HIAP)
Tierrassen (Anzahl) Rotes Höhenvieh (Vogelsberger Herkunft; U-Linie)
7 Mutterkühe + NZ (inkl. ältere Bullenkälber);
im Jahresdurchschnitt werden 18 Tiere gehalten
Beweidungstyp Ganzjährige Weidehaltung mit trittfester Winterweide (Zufütterung)
Finanzierung Verkäufe von Zuchttieren, Absetzer und Getreide, HIAP (Ökologischer Landbau; Grünlandextensivierung); AGZ
Schutzgebiete FFH-Gebiet Werra- und Wehretal (grenzt direkt an), LSG "Verlorener Bach" (Geologische Besonderheit) und Fließgewässerprojekt der Stadt Witzenhausen
Projektwebsite -

Torsten Rapp
Fachbereich 8 - Landwirtschaft, Landschaftspflege, Natur- und Landschaftsschutz
Honer Straße 49
37269 Eschwege
Tel.: 05651/ 302-4821
E-Mail: torsten.rapp (at) werra-meissner-kreis . de

Beweider:

Erhard Aubel
Weidenweg 3
37216 Witzenhausen-Roßbach
Tel.: 05542/ 6213 bzw. 05542/ 1864 (GEH)
E-Mail: aubel (at) bat-witzenhausen . de

Projektbeschreibung

In Kleinalmerode am Kaufunger Wald im Nordwesten des Werra-Meißner-Kreises liegen die Weideflächen der kleinen Rotviehherde; zu nennen sind vor allem die Mähweiden in den Tälern des "Verlorenen Baches" und am "Hungershäuser Bach".

Der Futterbaubetrieb Erhard Aubel wurde in 1996 gegründet und später in 2002 auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt; das Zertifikat als Bioland-Betrieb wird seit 2009 verliehen. Die Bewirtschaftung des Betriebes findet nach den Richtlinien des Ökologischen Landbaues statt. Einziger Betriebszweig des Betriebes ist die Mutterkuhhaltung; Herdbuchzucht mit Rotem Höhenvieh (alte Vogelsberger Linie). Der Bioland-Betrieb wird im Neben- bzw. Zuerwerb mit 0,5 AK bewirtschaftet; die Grenze zum Hobbybetrieb ist fast erreicht.

Die relativ leichte und robuste Rinderrasse eignet sich sehr gut für die Beweidung sensibler und naturschutzfachlich hochwertiger Gebiete; für den Betrieb kann somit eine zusätzliches Standbein erschlossen werden (Pflege von natur- und wasserschutzrelevanten Flächen).

Naturschutzfachliche Ziele / Erfolgskontrolle

Der Erhalt von naturschutzfachlich wertvollen Grünlandflächen (hier insb. Feuchtwiesen bzw. Weiden auf feuchten und/oder sehr hängigen Gelände) ist für den Naturschutz von großer Bedeutung; die Bachtäler sind ohne Beweidung nicht ohne weiteres offen zuhalten.

In beiden Bereichen existieren Wasserschutzgebiete (Zone II + III), die eine ökologische Bewirtschaftung nahe legen.

Beweidungsmodus

Die traditionelle Mähweide ist im Naturraum Kleinalmeröder Hügelland die häufigste Nutzungsform; es werden aber auch Wiesen und Weiden genutzt.

Die Mähweiden werden in der Regel zum 1. Schnitt (Silage) gemäht und anschließend von den Rindern fast ausschließlich als Umtriebsweide genutzt.

Es wird ganzjährige Weidehaltung praktiziert. Die Auftriebszeit auf die Sommerweiden ist in der Regel Ende April. Die Weidesaison geht in der Regel bis Mitte November; anschließend geht es auf eine trittfeste Winterweide mit Unterstand, wo eine Zufütterung gewährleistet ist.

Öffentlichkeitsarbeit / Umweltbildung

Mund-zu-Mund-Propaganda zu 100 %

Regionale Vermarktung

Hausschlachtung überwiegend für den Eigenbedarf. Im Jahr ca. zwei Rinder. Die meisten Tiere gehen als Zucht- oder Schlachtiere (Altkühe), bzw. Absetzer weg.

Historie / Historische Nutzung

Die Nutzung erfolgte traditionell als Mähweide. Die Milchviehhaltung spielte am Rande des Kaufunger Waldes früher eine größere Rolle (die Namen "Klein- und Großalmerode" entstanden mutmaßlich durch die almartige Bewirtschaftung der Bergwiesen durch die vielen kleinen Neben-Erwerbsbetriebe. 1960 existierten in Großalmerode noch über 50 kleine Milchviehbetriebe. Heute gibt es hier praktisch keine Milchviehhaltung mehr; selbst Mutterkuhbetriebe gibt es nicht viele, sodass viele Bachtäler in den letzten Jahrzehnten zugewachsen sind.

Aktuell können viele Flächen nur noch mit Beweidung durch Pferde offengehalten werden, welche sich allerdings naturschutzfachlich nicht immer nur positiv auswirkt, da diese Weidehaltung oft als Standweide mit intensiver Zufütterung betrieben wird.

Monitoring

Das HIAP wird lediglich formal in größeren Intervallen von Nicht-Fachleuten vor Ort überprüft. Eine regelmäßige und fachgerechte Erfolgsprüfung (wie früher) ist vom HMUELV leider nicht mehr vorgesehen.

Hier besteht ein dringender Handlungsbedarf; die Dokumentation der naturschutzfachlichen Resultate dieses und anderer Weideprojekte wären mit Sicherheit hochinteressant.

Wirtschaftlichkeit

Die Arbeitskosten der Tierhaltung und Vermarktung können nicht ganz gedeckt werden; der finanzielle Aufwand kann durch die Einnahmen aus Zuchttier- und Getreideverkäufen zum Teil gedeckt werden; die restlichen Kosten werden durch den Erhalt der HIAP-Förderung getragen.

Die Agrarumweltmaßnahmen (AGZ und HIAP-Förderung) sind ein essentieller Teil für die Gesamtwirtschaftlichkeit dieses Mutterkuhbetriebes.

Dies entspricht der relativ geringen Wirtschaftlichkeit der beiden Betriebszweige Mutterkuh- und Schafhaltung im Allgemeinen; diese Betriebszweige sind seit Jahrzehnten auf eine ausreichende öffentliche Förderung von Extensiv-Grünland (oder Auszahlung von Kopfprämien) angewiesen.

Bilder


Weideprojekte in Hessen – Online
Quelle: http://www.weideprojekte-hessen.de/weideprojekte/hessen/rinderbeweidung-kleinalmerode/ [Stand: 23.11.2017]
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