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Weideprojekt Brunnental

Weideprojekt Brunnental
Region/Lage Kreis Gießen, Stadt Grünberg
Geo-Koordinaten 8° 57' 49'' O , 50° 35' 24''
Lebensraumtyp Bachtal: offene und steile Hänge, Magerrasen, Pionier- und Laubwald, Quellen, Mühlgräben, Speicherteiche, Trockenmauern, Streuobstwiesen
Flächengröße 3,5 ha
Tierrassen (Anzahl) Schafe
Rotes Höhenvieh
Beweidungstyp saisonal
Finanzierung Stadt Grünberg (Ökokonto), Ausgleichsabgabe
Schutzgebiete  
Projektwebsite www.naturschutzprojekte.lkgi.de

Ingrid Moser
Landschaftspflegevereinigung Gießen e.V.
Molkest. 4
35410 Hungen
Tel.: 06402-809000
E-Mail: lpv-giessen (at) t-online . de

Träger:

Landschaftspflegevereinigung Gießen e.V.
Ingrid Moser
Molkest. 4
35410 Hungen
Tel.: 06402-809000
E-Mail: lpv-giessen (at) t-online . de
Stadt Grünberg
Rabegasse 1
35305 Grünberg
Tel.: 06401-8040
E-Mail: info (at) gruenberg . de

Beweider:

örtlicher Nebenerwerbslandwirt

Projektbeschreibung

Geprägt ist das Gebiet durch eine schöne, abwechslungsreiche und tlw. parkartige Landschaft mit kulturhistorisch bedeutsamen Anlagen.

Die Tier- und Pflanzenwelt des „Brunnentals“ ist durch die Aufgabe der Grünlandnutzung sowie den Bau von Freizeitgärten geprägt. Die ehemals offenen, steilen Hänge waren vor Beginn der Maßnahme großflächig mit Pionier- und Laubwald bewachsen. Die Nutzung vieler angelegter Gärten wurde meist schon vor langer Zeit aufgegeben - die Flächen verwilderten, große Mengen von Müll wurden hier abgeladen. Die Hänge sind von etlichen Wanderpfaden durchzogen.

Bemerkenswert ist jedoch die hohe hydrologische Bedeutung des Gebietes, die dem „Brunnental“ zu seinem Namen verhalf. Überall an den Hängen und im Talgrund treten Quellen punktuell oder flächig zu Tage. Von Nord nach Süd fließen der Äschersbach sowie zwei Mühlgräben durch den Talgrund. Hinzu kommen zwei ehemalige Speicherteiche.

Schon bei der Entwicklung des Projektes im Jahr 1999 wurde klar, dass für die Sanierung des gesamten Tals erhebliche Geldsummen erforderlich sein werden. In Abstimmung mit der Stadt Grünberg und der UNB hat die LPV eine Unterteilung der Flächen in drei Finanzierungsebenen vorgenommen:

  1. Ausgleichsabgabe
  2. Ersatzmaßnahme (Ausgleich) für einen aktuell anstehenden Bebauungsplan
  3. Vorlaufende Ersatzmaßnahme für künftige Bebauungspläne der Stadt Grünberg.
    Mittlerweile sind die Flächen der vorlaufenden Ersatzmaßnahme nahezu völlig als Ausgleich für verschiedene Bebauungspläne der Stadt zugeordnet.

Mittlerweile sind die Flächen der vorlaufenden Ersatzmaßnahme nahezu völlig als Ausgleich für verschiedene Bebauungspläne der Stadt zugeordnet.

2003 wurden erste Maßnahmen im „Brunnental“ ungesetzt. Hierzu gehörten v.a. die Auflösung aufgegebener Gärten und die Freistellung verbuschter Areale. Die Auflösung der Gärten stellte dabei das größte Problem dar. Alle Gärten waren mit baulichen Anlagen (Gartenhütten, tlw. Häuser, Schuppen), Einfriedungen sowie befestigten Wegen versehen. Diese konnten aufgrund der steilen Hanglage zumeist nur mit kleinem Gerät oder per Hand abgetragen werden. Der Bauschutt musste tlw. nur in kleinen Mengen in die zur Entsorgung bereitgestellten Container an der Hangoberkante oder am Fuß des Hange gebracht werden. Bei vielen Grundstücken stellte sich heraus, dass der Hang zum Teil bis zu 1,5 Metern mit Müll angefüllt war. Auch dieser wurde soweit wie möglich abgetragen und entsorgt.

Wesentlicher Bestandteil der Sanierung war das Freistellen der alten Terrassen-Strukturen, landschaftsbild-prägender Bäume sowie markanter Steinformationen wie die Lesesteinmauern an den Terrassenkanten, das Auflichten von Wald und das Entfernen von Hecken. Dabei wurden ehemals freie Obstflächen sowie ein Magerrasenkomplex im Südosten bis auf wertgebende Gehölze freigestellt. Die zugewachsenen, mittlerweile waldartiger Areale sowie der dichte Hangwald wurden aufgelichtet und als Hutewald genutzt.

Die freigestellten Obstbestände werden gepflegt und durch Ersatzpflanzung ergänzt. Die Maßnahmen führt der örtliche Obst- und gartenbauverein durch.

Relativ ebene und nicht zu steile, Wiesen werden ein- bis zweischürig durch örtliche Landwirte gemäht. Die Nasswiese am Brunnen sowie der mit Quellen durchsetzte Hang oberhalb des Speicherteiches werden jährlich zweimal von Hand gemäht. Diese sehr schwere Arbeit mit Freischneider übernimmt ein örtlicher Verein. Sämtliches Mahdgut wird anschließend auf schlepperbefahrbare Bereiche auf Schwad gelagert und anschließend von einem Landwirt mit Ladewagen abgeholt. Die Wasserverhältnisse sind hier sehr heterogen und wechseln jährlich.
Nicht mahdfähige Flächen werden durch Schafe und Rinder eines Landwirts beweidet. Hierbei wird unterschieden zwischen steileren Lagen, die den Schafen vorbehalten bleiben (geringeres Gewicht und geringerer Vertritt) und den standfesten, eher flacheren Bereichen, die von Rindern beweidet werden können.

Im Bereich der Schafweiden gab es ein gravierendes Problem: Riesenbärenklau hatte sich auf einigen Flächen ausgebreitet. Diese Pflanze führt bei Hautkontakt zu starken Verbrennungen und ist infolgedessen hoch gefährlich. In einer ersten Aktion wurde durch die LPV veranlasst, dass ein Landwirt mit Vollkörperschutz die Pflanzen mit ihrem Vegetationskegel ausstach, abräumte und verbrannte. Da dies auf Dauer sehr aufwändig und teuer war, wurde nach günstigeren Möglichkeiten gesucht, den Riesenbärenklau zu vernichten. Bei einem Versuch zeigte sich, dass die Schafe die Blätter des Riesenbärenklaus durchaus gerne fressen und so die Vitalität der Pflanze beeinträchtigen können. Nur die holzigen Blütenstände wurden nicht verbissen. Diese werden jedes Jahr vor der Blüte abgeschnitten und entsorgt. Allerdings gibt es durch diese Vorgehensweise auch eine wenig schöne Begleiterscheinung –bei einigen Schafen zeigen sich Verbrennungserscheinungen durch den Riesenbärenklau auf der Haut v.a. am Kopf.

Allerdings traten auch immer wieder völlig unerwartet Probleme auf:

  • Im ersten Jahr der Beweidung wurden nahezu 30 mal die Weidezäune zerstört, die Tiere freigelassen oder das Weidezaun-Gerät gestohlen. Einmal waren die Tiere auf einer stark frequentierten Bundesstraße, einmal auf dem Friedhof und einmal wurden sie in 8 km Entfernung wieder „eingesammelt“. Nach mehreren Jahren der Beweidung haben sich diese Vorfälle deutlich reduziert.
  • Ein anderer Fall war der drohende Durchbruch des Mühlgrabens. Wodurch der darin befindliche Fischbestand gefährdet war. Dank intensiver Zusammenarbeit von Denkmalschutzbehörde, Naturschutzbehörde, LPV und Stadt Grünberg konnte innerhalb kürzester Zeit ein Auftrag zur naturschutz- und denkmalkonformen Ausbesserung des Ufers vergeben werden.

Kooperation

Projektentwicklung durch die LPV in Kooperation mit der Stadt Grünberg und der UNB. Ein Teil der Flächen wurde und wird mit Mitteln der Ausgleichsabgabe saniert. Die restlichen verfügbaren Flächen sind Bestandteil eines Ökokontos der Stadt.

Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt durch zahlreiche örtliche und auch auswärtige Vereine wie Angelsportverein Saibling (Grünberg), Angelsportverein Seenbachtal (Mücke), DLRG Grünberg, Freiwillige Feuerwehr Beltershain, Freiwillige Feuerwehr Grünberg, Freiwillige Feuerwehr Lumda, Freiwillige Feuerwehr Queckborn, Freiwillige Feuerwehr Stockhausen, Freiwillige Feuerwehr Weitershain, Hegegemeinschaft Grünberg, Naturschutzbund Grünberg, Obst- und Gartenbauverein Grünberg, Radsportclub Grünberg, Reservistenvereinigung Grünberg, Sportverein Grünberg, Sportverein Lardenbach Klein-Eichen, Verkehrsverein 1896 (Grünberg) sowie 3 Landwirte.

Es ist ein Verdienst der vielen Vereine, dass die Arbeiten im Brunnental so schnell und so gut erledigt werden können.

Naturschutzfachliche Ziele / Erfolgskontrolle

  • Wiederherstellen von natürlichen Quellen
  • Entwicklung von artenreichen Nass- und Feuchtwiesen
  • Entwicklung von wärmegetöntem Weide- und Mahdgrünland mit Saumbereichen
  • Entwicklung von Magerrasen
  • Freistellen von Felsaufschlüssen und Trockenmauern
  • Sanierung von Streuobstwiesen
  • Schaffen eines Hutewaldes durch Entfernen von Gehölzen
  • Wiederherstellen historischer Nutzungsformen

Die Entwicklung der Flächen gemäß den festgelegten naturschutzfachlichen Zielvorgaben erfolgt im Rahmen der Projektbetreuung durch die LPV.

Die Flächen werden regelmäßig mehrfach jährlich von der LPV überprüft.

Beweidungsmodus

Die Beweidung erfolgt mindestens dreimalig je nach Fläche mit Schafen oder Rindern in Umtriebsweide.

Öffentlichkeitsarbeit / Umweltbildung

Mehrere Artikel in der lokalen und regionalen Presse

Regionale Vermarktung

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Historie / Historische Nutzung

Das „Brunnental“ ist ein Kleinod, das direkt an die städtische Bebauung angrenzt und das Naherholungsgebiet der Grünberger ist. Es handelt sich hierbei um einen tiefen Taleinschnitt östlich des Stadtzentrums, der mit seinen wunderschönen kleinen Wanderwegen zum Besuch einlädt.

Schon seit alters lassen die Grünberger Hochzeitspaare hier ihre Hochzeitsbilder vor der historischen Kulisse machen. Zumal das „Brunnental“ direkt hinter der Kirche beginnt. Hier erholt man sich, hier hält man „ein Schwätzchen“. An Pfingsten wird am alten Brunnenhaus ein Konzert gegeben und gefeiert.

Das Brunnental wird durchflossen vom „Äschersbach“. Zudem sorgt das Tal mit seinen vielen Quellen seit rund 800 Jahren für die Wasserversorgung Grünbergs. Historische Bauten (Pumpstation u.ä.), Brunnen, Teichanlagen und mehrere Mühlen mit ihren Mühlgräben zeugen von dem heute noch hohen Wasserangebot in dem Gebiet. Besonders markant sind die zwei großen Speicherteiche, der ehemaligen Wasserversorgung Grünbergs

Die kulturhistorische Bedeutung wird auch anhand der vielen Gedenk- oder Opfersteine, des Eiskellers und einer gemauerten Klause, die sich auf das gesamte Gebiet verteilen, deutlich.

Die Gärten zeigen in der Steillage teilweise mehr als 10 Terrassen pro Garten, wobei einzelne Terrassen nicht mehr als 1,5 m Breite aufweisen. Teilweise sind die Terrassen-Mauern aus Naturstein gefertigt, in einzelnen Fällen jedoch auch zementiert. Gerade die schmalen Terrassen deuten auf die Nutzung als Weinbaulage hin. Hierfür sprechen auch alte, in Grünberg gefundene Ofenplatten mit entsprechender Darstellung.

Die Historie zeigt die starke Verbundenheit der Grünberger mit ihrem „Brunnental“. Daher war es auch nicht sonderlich überraschend, dass bei der Suche nach Kompensationsmaßnahmen im Rahmen städtischer Bauleitplanung dieses Gebiet Zuspruch bekam.

Da jedoch nicht alle Grundstücke (wie die aufgegebenen Gärten) in kommunaler Hand waren, wurden zunächst Ankaufsverhandlungen mit allen privaten Grundstücksbesitzern aufgenommen. Es zeigte sich, dass zwar nicht alle, jedoch die meisten Grundstücksbesitzer zum Verkauf ihrer Parzelle an die Stadt bereit waren. Erwartungsgemäß war die Verkaufsbereitschaft umso höher, je verwahrloster die Grundstücke waren.

Wichtigster Privateigner im Planungsraum ist der Verkehrsverein Grünberg, dessen satzungsgemäßes Ziel vorwiegend der Erhalt des Brunnentales als Naherholungsgebiet ist. Mit diesem Verein konnte durch Vermittlung der LPV erreicht werden, dass der Verein seine Flächen komplett zur Verfügung stellt und eine Grunddienstbarkeit auf diese Flächen akzeptiert, die das Gesamtentwicklungsziel im Sinne des Naturschutzes beinhaltet. Durch dieses Arrangement konnten einerseits von Seiten der Stadt Grünberg die Gelder für den Ankauf der Grundstücke eingespart werden, andererseits übernahm die Stadt mit dieser Vereinbarung die dauerhafte Pflege der Grundstücke des Verkehrsvereins.

Zunächst wurde im Jahr 2002 über die gesamte Vegetationsperiode ein Gutachten vergeben, das folgende Parameter erfasste:

  • Historie
  • Erhebung Vögel, Reptilien, Amphibien, Insekten, Fledermäuse, Heuschrecken, Tagfalter, Vegetation und Biotope
  • Erstellen eines Entwicklungskonzeptes

Auf der Grundlage des Konzeptes wurde die Sanierung eines Teils der Flächen als Vorlaufende Ersatzmaßnahme und eines weiteren Teils zur Finanzierung aus Mitteln der Ausgleichsabgabe beantragt.

Die Genehmigung der Vorlaufenden Ersatzmaßnahme erfolgte in 2004.

Die Genehmigung aus Mitteln der Ausgleichsabgabe erging in 2001. Nachdem für weitere Flächen ein Ankauf in Aussicht stand, wurde in 2010 ein Antrag auf Förderung dieses Erweiterungsgebietes gestellt und genehmigt.

Monitoring

Die Entwicklung der Flächen gemäß den festgelegten naturschutzfachlichen Zielvorgaben erfolgt im Rahmen der Projektbetreuung durch die LPV.

Wirtschaftlichkeit

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Bilder


Weideprojekte in Hessen – Online
Quelle: http://www.weideprojekte-hessen.de/weideprojekte/hessen/brunnental/ [Stand: 23.11.2017]
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